Das Wichtigste in Kürze
Das TCF 2.2 (Transparency and Consent Framework) ist ein technischer Standard von IAB Europe, der die strukturierte Übermittlung der Einwilligungsentscheidungen von Besuchern an Werbeanbieter (Ad-Tech-Anbieter) ermöglicht. Es ersetzt weder die DSGVO noch Google Consent Mode, sondern ergänzt sie, indem es die Kommunikation von Einwilligungen in der gesamten programmatischen Werbekette standardisiert. Wenn Ihre Website programmatische Werbung ausspielt oder Ad-Tech-Technologien nutzt, muss Ihre CMP TCF 2.2 unterstützen.
Was ist TCF 2.2?
Das TCF 2.2 (Transparency and Consent Framework, Version 2.2) ist ein technisches Rahmenwerk, das von IAB Europe entwickelt wurde. Es definiert ein standardisiertes Protokoll, um die Einwilligungsentscheidungen der Nutzer an Werbeanbieter (SSPs, DSPs, Ad Exchanges, Data-Management-Plattformen) zu übermitteln, die an der programmatischen Kette beteiligt sind.
Interagiert ein Besucher mit einem TCF-kompatiblen Einwilligungsbanner, erzeugt die CMP einen TC String: eine kodierte Zeichenkette mit den Einwilligungsentscheidungen des Besuchers für jeden Zweck und jeden Anbieter, der in der Global Vendor List (GVL) von IAB registriert ist.
Was ist der Unterschied zwischen TCF 2.2 und Consent Mode v2?
TCF 2.2 und Google Consent Mode v2 sind zwei sich ergänzende Mechanismen, keine Konkurrenten. Consent Mode v2 ist ein proprietäres System von Google und übermittelt Signale ausschließlich an Google-Tags. TCF 2.2 ist ein offener Branchenstandard, der die Entscheidungen an alle Anbieter der IAB-GVL (über 1.000 Anbieter) für 11 Zwecke übermittelt.
Wenn Ihre Website nur Google Analytics und Google Ads nutzt, genügt Consent Mode v2. Spielt Ihre Website programmatische Werbung über SSPs oder Ad Exchanges aus, ist zusätzlich TCF 2.2 erforderlich.
Wer muss TCF 2.2 umsetzen?
Publisher, die ihre Inhalte über programmatische Werbung monetarisieren und mit in der GVL registrierten Anbietern zusammenarbeiten. Auch Ad-Tech-Anbieter (SSPs, DSPs, DMPs), die im EWR Einwilligungsdaten verarbeiten, müssen registriert sein und die TCF-Signale beachten.
Wenn Ihre Website keine programmatische Werbung ausspielt, ist TCF 2.2 nicht notwendig. Ein üblicher Einwilligungsbanner mit Consent Mode v2 deckt Ihren Bedarf ab.
Die Zwecke von TCF 2.2
TCF 2.2 definiert 11 Zwecke und 2 besondere Zwecke. Sie umfassen die Speicherung auf dem Endgerät (Zweck 1), die begrenzte Auswahl von Werbung (Zweck 2, neu), Werbeprofile (Zwecke 3-4), die Personalisierung von Inhalten (Zwecke 5-6), die Leistungsmessung (Zwecke 7-8), das Verständnis von Zielgruppen (Zweck 9), die Verbesserung von Diensten (Zweck 10) und die begrenzte Auswahl von Inhalten (Zweck 11, neu).
Wie funktioniert TCF 2.2 in der Praxis?
Die TCF-kompatible CMP zeigt den Einwilligungsbanner mit Zwecken und Anbietern an. Der Besucher trifft seine Entscheidungen. Die CMP erzeugt den kodierten TC String und speichert ihn. Werbe-Skripte lesen den TC String über die CMP-API (Methode __tcfapi) und passen ihr Verhalten an die erteilten Einwilligungen an.
Um gültig zu sein, muss eine CMP bei IAB Europe registriert sein und eine CMP-ID erhalten. Die wichtigsten CMPs am Markt unterstützen TCF; bei FlowConsent ist die Unterstützung in Kürze verfügbar.
Was hat sich zwischen TCF 2.1 und TCF 2.2 geändert?
TCF 2.2, veröffentlicht im Mai 2023, streicht das berechtigte Interesse für die Zwecke 3-6 (Profilbildung), verlangt für diese Zwecke eine ausdrückliche Einwilligung, führt zwei neue Zwecke ein (2 und 11) und verpflichtet Anbieter, für mehr Transparenz URLs mit Beschreibungen der Verarbeitung bereitzustellen.
Häufige Fehler bei TCF 2.2
TCF mit dem Consent Mode verwechseln. Es handelt sich um zwei verschiedene Mechanismen. TCF betrifft die programmatische Kette, der Consent Mode betrifft Google-Tags.
TCF auf einer Website ohne programmatische Werbung aktivieren. TCF macht den Banner komplexer. Wenn Ihre Website es nicht braucht, wird der Banner dadurch unnötig kompliziert.
Eine nicht bei IAB registrierte CMP verwenden. Nur registrierte CMPs können gültige TC Strings erzeugen. Ad-Tech-Anbieter weisen Signale von nicht zertifizierten CMPs zurück.
Die Global Vendor List nicht regelmäßig aktualisieren. Die GVL wird häufig aktualisiert. Eine veraltete Version kann dazu führen, dass Einwilligungen falsch übermittelt werden.
Checkliste: TCF 2.2 umsetzen
- Prüfen, ob Ihre Website programmatische Werbung nutzt, die TCF erfordert.
- Eine CMP mit Registrierung bei IAB Europe wählen.
- Die TCF-Zwecke im Einwilligungsbanner konfigurieren.
- Die auf Ihrer Website genutzten GVL-Anbieter ermitteln.
- Parallel Consent Mode v2 für Google-Tags konfigurieren.
- Die Erzeugung des TC String mit einem Dekodierungstool testen.
- Prüfen, ob die Ad-Tech-Skripte den TC String korrekt über __tcfapi auslesen.
- Ein Cookie-Audit durchführen, um die Blockierung vor der Einwilligung zu bestätigen.
Fazit
TCF 2.2 ist ein notwendiger Standard für Websites, die im EWR an programmatischer Werbung teilnehmen. Es vervollständigt die Compliance-Kette, indem es die Übermittlung von Einwilligungen an Ad-Tech-Anbieter standardisiert. Spielt Ihre Website keine programmatische Werbung aus, ist TCF nicht notwendig. Beginnen Sie mit einem Scan Ihrer Website und ermitteln Sie die vorhandenen Skripte, um festzustellen, ob TCF für Ihre Konfiguration relevant ist.